Wissenswertes über Gemmrigheim

Wo liegt Gemmrigheim?

Gemmrigheim liegt zwischen Heilbronn und Stuttgart direkt am Neckar. Über die Autobahn (A 81) erreicht man Gemmrigheim, indem man die Ausfahrt Mundelsheim abfährt und sich weiter Richtung Kirchheim begibt.

Wappen von Gemmrigheim:

Das erste Gemeindewappen stammt aus dem Jahr 1525. Das heutige Wappen geht auf einen Entwurf des Wappenmalers Otto Dieterle vom 1931 zurück. Die Farben wurden allerdings schon 1924 festgelegt, da das historische Wappen nur einfarbig gestaltet war.

Geschichte von Gemmrigheim:

Etwa ab 500 nach Christi dürfte wohl die Gründungszeit der heutigen Gemeinde Gemmrigheim liegen, als die das Gebiet beherrschenden Franken die losen Gehöftsiedlungen der Alemannen zu Haufen- oder Gewanndörfer zusammenschlossen.

Die erste gesicherte Erwähnung von Gemmrigheim, damals als "Gamertinga" bezeichnet, stammt vom 22.09.1085 im Schenkungsbuch des Klosters Reichenbach.

Nach einer ganzen Reihe von Güterbesitzern wird das vermutlich zur Grafschaft Calw gehörende Dorf Gemmrigheim an Ritter Rugger von Stockheim übergeben, der 1231 das Patronatsrecht der Kirche dem Stift Backnang schenkt.

Unter dem Zeichen der geistlichen Herrschaft wurde der Augustinerstift in Backnang 150 Jahre nach dem Kloster Reichenbach zum wichtigsten Herren in Gemmrigheim.

Im Gefolge der Reformation kam Gemmrigheim Ende des 13. Jahrhunderts, spätestens Anfang des 14. Jahrhunderts, zur Grafschaft Württemberg. Gemmrigheim gehörte zum Amt Lauffen. Erster Schultheiß war seit 1410 Hans Brimig.

Während der Amtszeit (1509 bis 1531) des Magister Conrad Dreer von Ofterdingen als Pfarrer in Gemmrigheim wurde die jetzige Kirche erbaut. Sie wurde 1526 fertiggestellt.

Nach der Zeit des Bauernkrieges 1525 konnte sich Gemmrigheim wirtschaftlich erholen und baute 1588 das Rathaus. Das 16. Jahrhundert endete für Gemmrigheim mit drei schweren Pest- und schlechten Erntejahren.

Bis zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges (1618) erlebte auch hier der Weinbau seine größte Ausdehnung und wurde zur Haupterwerbsquelle der Bürger. Während des dreißigjährigen Krieges wurden in Gemmrigheim 62 Häuser und Großteile der Rebflächen zerstört. Der Friedensschluß 1648 beendete zwar den Religionskrieg, aber nicht die lokalen, regionalen und nationalen Kämpfe.

Vom 17. ins 18. Jahrhundert erlebte Gemmrigheim den Pfälzischen und Spanischen Erbfolgekrieg. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts herrschte auch in Gemmrigheim wie in anderen Teilen Südwestdeutschlands Hunger, Not, Missernten, Krieg und ein hohes Bevölkerungswachstum. Allein zwischen 1700 und 1828 hatte sich die Bevölkerung auf 1012 Einwohner verdoppelt.

In der Regierungszeit König Wilhelms I. von Württemberg (1816 - 1864), an deren Anfang eine große Hungersnot stand,  wurde versucht, die Verwaltung im Land, in den Städten und in den Gemeinden neu zu ordnen. Das Selbstverwaltungsrecht wurde eingeführt, d.h., dass die Verwaltung der Gemeinde einem von der Bürgerschaft gewählten Gemeinderat übertragen wurde. An der Spitze der Verwaltung stand der ebenfalls von der Bürgerschaft ernannte Ortsvorsteher, Schultheiß genannt.

Nach den Kriegen von 1866 und 1870/71, die der Bildung des Deutschen Reiches vorausgingen, gab es  in Gemmrigheim bis 1914 tiefgreifende Veränderungen. Insbesondere waren das der Ausbau der Papierfabrik, der Bau der Neckarbrücke zwischen Gemmrigheim und Kirchheim, der Anschluß an die Versorgung mit Wasser und Strom und schließlich die Gründung einer ganzen Reihe von Vereinen. Hier ist zum Beispiel der Kriegerverein, der Gesangverein „Eintracht“, der Kleinkinderpflegeverein und vor allem der Turnverein zu nennen..

Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 begann eine lange Kriegszeit mit Versorgungsengpässen und vielen Toten an den Fronten. Bis zum Ende des Krieges fallen 71 Soldaten aus Gemmrigheim oder werden vermißt. Die Unruhe der Revolutionszeit, begleitet von einer Grippeepidemie, war in Gemmrigheim noch bis 1919 zu verspüren.

Durch die Inflation 1923 und das Scheitern der großen Koalition des SPD - Reichskanzlers Müllers im Jahr 1930 wird die dadurch hervorgerufene Weltwirtschaftskrise auch in Gemmrigheim spürbar: Die Papierfabrik fällt in eine tiefe Krise und wird von der Schweizer Papierfabrik Cham AG nach einem Vergleichsverfahren übernommen. Dies führt zu einer hohen Zahl von Arbeitslosen. Zur Unterstützung der Erwerbslosen führte die Gemeinde Baumaßnahmen aus, bspw. den Ausbau der Forststraße.

Im Zuge der Kriegsvorbereitungen der NS - Regierung wurden auch auf Gemmrigheimer Gemarkung bereits in den Jahren 1935/36 Bunker gebaut, Luftschutzräume eingerichtet und Sirenen installiert. Die gesamte Bevölkerung wurde einbezogen. Im Verlaufe der Kriegsjahre werden die zugeteilten Mengen immer geringer und bereits im September 1939 kamen die ersten Kriegsgefangenen aus Polen nach Gemmrigheim zurück.

Nach Ende des Krieges im Frühjahr 1945 waren in Gemmrigheim 153 gefallene oder vermißte Soldaten, aber auch Verletzte und ein Toter zu beklagen. Das äußere Erscheinungsbild des Dorfes war trotz der Luftangriffe auf die Papierfabrik vor größeren Schäden bewahrt geblieben. Am 9. April 1945 wurde die Neckarbrücke zwischen Gemmrigheim und Kirchheim von der Wehrmacht gesprengt, um den Vormarsch der Alliierten aufzuhalten. Am 20. April 1945, dem letzten Geburtstag Adolf Hitlers, kam in Gemmrigheim mit der Besetzung durch die Amerikaner das Kriegsende.

Bis Ende 1946 wurden in Gemmrigheim über 500 Menschen aufgenommen, die meisten aus dem Sudetenland, viele auch aus Ungarn und dem heutigen Polen sowie einige aus Russland, Jugoslawien und Rumänien.

Auftrieb erhielt der Wiederaufbau erst nach der Währungsreform 1948 und in den fünfziger Jahren. Kriegszerstörungen wurden beseitigt, neue Wohnungen und Arbeitsstätten in kürzester Zeit geschaffen. Symbol des Aufschwungs in Gemmrigheim wurde der Neubau der Neckarbrücke nach Kirchheim und deren Einweihung am 11.11.1950.

Auf den Ausbau des Neckarkanals folgte der industrielle Aufschwung in Gemmrigheim. Aber auch das örtliche Gewerbe entwickelte sich positiv. In den sechziger Jahren konnte das Industriegebiet Niedere Klinge geschaffen werden, wo sich neben kleineren Betrieben die Firmen Hammerl und Schweiker ansiedelten. 1972 wurde dann auf der Gemarkungsgrenze mit dem Bau des ersten Blockes des Gemeinschaftskernkraftwerkes Neckar (GKN) begonnen. 1976 erfolgte der Ausbau der Kreisstraße nach Besigheim, 1980 wurde die Ortsdurchfahrt fertiggestellt und 1981 konnte die Umgehungsstraße eingeweiht werden.

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